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Secret Service

Fotos
Ulrike Myrzik
Tobias Sagmeister

Text
Eva Backes

In Paris auf dem Laufsteg

100 automobile Weltpremieren, 13.000 Medienvertreter und 1,3 Millionen Besucher: Die Mondial de l’Automobile 2012 in Paris liefert die ganz große Bühne. Wenn hier die Show beginnt, muss am Messestand von Audi alles passen.
Mehr als 300 Mitarbeiter machen schon Wochen vorher hinter den Kulissen mit viel Leidenschaft und einer minutiösen Planung den perfekten Auftritt möglich.

2.190
Quadratmeter Grundfläche
misst der Messestand von
Audi bei der Mondial de l’Automobile
2012 in Paris.

17
Autos werden
millimetergenau platziert.

25. September 2012, Paris, Porte de Ver­sailles, Halle 4. Ein schwarzer Vorhang verhüllt den 2.190 Quadratmeter großen Audi-Messestand. In zwei Tagen schaut die Welt nach Paris – jetzt wird dort noch gebohrt und gehämmert, es ist laut und staubig, von Glanz und Glamour fehlt noch jede Spur. Es riecht nach Holz und frischer Farbe. Projekt­leiterin Annkatrin Hentsch hat ein Auge darauf, dass es vorangeht: Elektriker, Schreiner, Maler und Teppichleger sind gleichzeitig im Einsatz. „Wir müssen im Zeitplan bleiben“, sagt Hentsch, während sie prüfend über den Stand läuft, „die Messe beginnt, egal ob wir fertig sind oder nicht.“

Seit zwei Wochen wird in Paris gearbeitet – und das rund um die Uhr, im Dreischichtbetrieb. Insgesamt stecken zwölf Monate Arbeit in einem Auftritt dieser Größenordnung. Von der Konzeption bis zur Realisierung hält Annkatrin Hentsch die Fäden in der Hand. „Aber ich bin keine Einzelkämpferin“, betont sie. „Alles funktioniert nur mit einem motivierten Team.“ Interne Abteilungen und externe Dienstleister sind ihre Schnittstellen – Dutzende Abstimmungen erfolgen bis zum Start in Paris.

600
Paar Weißwürste werden
von der Audi-Hausmetzgerei aus
Ingolstadt angeliefert.

25
Kilogramm süßer Senf bringen
dezente Schärfe dazu.

20
Fässer Weißbier für
kleine Pausen vom
Messetrubel stehen bereit.

Das Besondere am Audi-Messebau? „Nichts kommt von der Stange. Jeder Stand ist maßgeschneidert. So, wie er jetzt in Paris steht, wird es ihn nur dieses eine Mal geben.“ Das Telefon klingelt, Hentsch muss zurück in die Halle. Sie ist gefragt, wie so oft an diesem Tag.

Auf der Bühne beginnen unterdessen die Proben für die Pressekonferenz. Noch sind es Dummies, die auf die Bühne fahren. Ein Q5 ersetzt das Showcar Audi crosslane coupé, das am Eröff­nungstag alle Blicke auf sich ziehen wird. Denn bis zur letzten Sekunde muss der Star der Messe geheim bleiben.

Am Tag vor Messebeginn nimmt der Stand allmählich Form an. Über Nacht hat sich viel getan. Jetzt rückt das elfköpfige Reinigungsteam an und poliert den gesamten Stand auf Hochglanz. Wenige Stunden sind es noch bis zur offiziellen Abnahme durch den Vorstand. „Ab 14 Uhr gehen wir auf Standby“, ruft Hentsch ihren Kollegen zu. Dann muss alles perfekt sein.

Die Anspannung steigt. Auch bei Norbert Pöchmann, der für die Aufbereitung der Fahrzeuge verantwortlich ist. Seit fast 20 Jahren macht er diesen Job – und seine Begeisterung ist ungebrochen: „Mir macht das einfach Spaß“, sagt er mit leuchtenden Augen: Ob Detroit, Frankfurt oder Genf, Pöchmann ist bei allen großen Messen dabei und weiß genau, wie man einen Audi richtig in Szene setzt.

Die Frau mit dem Überblick:
Projektleiterin Annkatrin Hentsch.

Nichts kommt von der Stange. Jeder Stand
ist maßgeschneidert. So, wie er jetzt in Paris steht,
wird es ihn nur dieses eine Mal geben.
Annkatrin Hentsch

So auch in Paris: Mit einem Team von vier Mechanikern sorgt er dafür, dass Technik und Optik der Fahrzeuge höchste Standards erfüllen. „Alles an den Autos soll makellos sein“, erklärt Pöchmann. Und dabei geht es oft um Millimeter: Stimmt die Aus­leuchtung? Sind die Autos richtig in Balance? Stehen die insgesamt 17 Fahrzeuge am Stand genau so, wie es der Messeplan vorsieht?

Um 17 Uhr ist es soweit. Die ersten Vorstände kündigen sich an. Pöchmann führt die Gruppe von Fahrzeug zu Fahrzeug. Türen werden geöffnet und geschlossen – ein satter, sauberer Ton erklingt. Genau so soll es sein. Behutsam streicht Pöchmann über die Motorhaube, zeigt dass die Spaltmaße stimmen und die Reifen richtig stehen. Dann drückt ihn der Chef und lobt: „Super Job!“ Die Abnahme ist geschafft.

„Jetzt können wir ja Feierabend machen“, scherzen die Mechaniker, die das Szenario aus der Ferne beobachten. Aber bis zum nächsten Tag liegt noch eine Menge Arbeit vor dem Team. Ein Audi S6 soll neu positioniert werden. Außerdem fehlt ein Ständer für den Space Frame des Showcars – noch in dieser Nacht wird er per Eilkurier aus Deutschland eingeflogen.

Dann ist der große Tag gekommen: Die Messe öffnet ihre Pforten. Gerd Muthenthaller ist einer der Ersten an diesem Morgen. Der Cateringchef kontrolliert die Lebensmittellieferung, die schon um 5:30 Uhr an der Porte de Versailles eintrifft. Auf beengtem Raum, in einer Küche von nur 25 Quadratmetern, soll heute ein Gourmet-Menü gezaubert werden: Steinpilztarte, Hummerravioli und Rinderfilet – Haute Cuisine, direkt hinter dem Messestand zubereitet, Wand an Wand mit den auf Hochglanz polierten Exponaten.

Natürlich darf auch die bayrische Delikatesse schlechthin nicht fehlen: 600 Paar Weißwürste hat Muthenthallers Team nach Paris transportiert – vakuumiert und direkt aus der Ingol­städter Audi-Hausmetzgerei. Dazu 25 Kilogramm süßen Senf und 20 Fässer Weißbier. „Das Gute an Messen innerhalb der EU ist, dass wir hier Weißwürste problemlos einführen können – in Genf oder Shanghai müssen wir frisch vor Ort produzieren“, erklärt Muthen­t­haller. „Denn geht nicht, gibt’s nicht. Dann bringen wir unseren Metzger und die Weißwurstmaschine eben mit.“ Ähnlich wie das Küchen-Equipment in Paris, das – von den Kühlschränken bis zur Spülanlage – komplett aus Ingolstadt kommt. „Nur so können wir die hohe Qualität unserer Speisen und Getränke gewährleisten“, erzählt Muthenthaller, während er den ersten Gästen einen frischen Kaffee serviert.

Unten am Messestand treffen unterdessen die Hos­tes­sen in ihren edlen Outfits ein. Vorstände, Pressesprecher und Journalisten tummeln sich bereits zahlreich am Stand. Was vor 48 Stunden noch eine große Baustelle war, ist jetzt die glänzende Bühne für die neuesten Modelle aus der Audi-Produktfamilie. The car is the star. Die Show beginnt, und für diesen Moment ist alles perfekt. Hentsch und ihre Kollegen atmen durch. Bis in Paris der Vorhang fällt. Und die Planungen für die nächste Messe beginnen.