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DNA-Evolution

Text
Regina Brand

Fotos
Alexander Herold

Reise in die Zukunft

Ein Automobil im kompakten Format, aber mit großer Bedeutung: Das Concept Car Audi crosslane coupé ist schon auf den ersten Blick ein typischer Audi, aber es entwickelt den genetischen Code der Marke sichtbar weiter.


Stufenplan: Audi crosslane coupé im Konzept Design Studio München – der Space Frame, das finale Concept Car und das Clay-Modell.

Hell und kräftig ist das Licht, hier im Atelier des Audi Konzept De­­sign Studio in München bleibt nichts verborgen. Doch das präzise Licht tut diesem Auto gut – denn Präzision ist eines der wesentlichen Charakteristika des Audi crosslane coupé. Das Concept Car vom Pariser Auto­­mo­bilsalon 2012 zeigt eine klare Evolution der Design-DNA der Marke – und bietet auch einen ersten Ausblick auf die Zukunft der Q-Modelle. Entstanden ist das cross­lane coupé hier unter diesen Leuchten, im Münch­ner Design Studio. „Das crosslane coupé steht für klare Wei­­­ter­entwicklung mit einem starken Ausrufezeichen. Es gibt uns Impulse für die neue Richtung, die wir eingeschlagen haben“, erklärt Exterieur-Designchef Achim Badstübner.

Badstübner ist ein Zeitreisender. In seiner täglichen Arbeit ist er immer ein paar Jahre voraus, be­­schäftigt sich mit den Modellen der nächsten oder gar übernächsten Generation. Ein Concept Car bietet die Möglichkeit, Details aus dieser Zukunft in die Gegenwart zu holen. Seit 13 Jahren arbeitet der 48-Jährige bei Audi Design und ist für das Exterieur Design der Marke verantwortlich.

Behutsam streicht Badstübner über die scharfen Linien und die sanften Wölbungen der Ka­rosserie. Gutes Design darf man nicht nur sehen, man muss es auch fühlen: „Die klare Linie, der definierte Strich ist das Wesentliche. Die Linien im Design eines Audi haben einen starken Eigencharakter. Durch­wölbte Flächen stehen im Gegensatz zu den klaren Linien – das erzeugt den richtigen Kontrast.“ Badstübner zieht Pa­ral­lelen: „Bei vielen Dingen geht es um die Frage des Kontrasts – eine gute Zeichnung oder ein gutes Foto, aber auch ganz einfach das Leben beinhalten viele Kon­traste. So ist es natürlich auch beim Auto. Diese Kon­traste machen das Sex-Appeal des Audi crosslane aus.“

Das crosslane coupé steht für klare Weiterentwicklung mit einem starken Ausrufezeichen. Und es gibt uns Impulse für die neue Richtung, die wir eingeschlagen haben.
Achim Badstübner

Sein Lieblingselement ist die C-Säule, die nahtlos in die Schulter überläuft. Der subtil überspannte Kotflügel schmiegt sich an die charakteristische C-Säule an, die sehr flach gestaltet ist. Der runde Radlauf dagegen ist kräftig ausmodelliert. „Es ist die Synthese aus Konturen und Flächen, die die Faszination des Designs ausmacht.“ Badstübner tastet die ge­schwun­gene Fläche um den Tankdeckel an der C-Säule ab: „Die Flächen sind genau richtig, straff gespannt. Das gibt dem Auto diese durchtrainierte, sehnige Er­scheinung. Es ist eine sportliche Eleganz, die den ro­­busten, kraftvollen und soliden Charakter des SUV
unterstreicht.“


Klarheit: Das Interieur-Design ist auf das Wesentliche reduziert.

Die charakterstarke Front – ein Ausblick auf die künftigen Q-Modelle – ist das stärkste Signal des crosslane coupé: die wie auf einer Bühne neuartig insze­nierten Audi-Ringe, umrahmt von dem robusten, drei­di­mensional ausgeformten Singleframe-Kühlergrill. Er ist Teil des Multimaterial Space Frame, der tragenden Struktur des Concept Car, der auch an anderen Stellen von außen sichtbar ist – über zwei schmale Öffnungen in der Motorhaube etwa, die den Blick auf einen Alu­miniumträger freigeben. Badstübner öffnet die Fahrer­tür und weist auf den Boden: „Beim Einsteigen beispielsweise ist es der Schweller, den man als Teil des Space Frame wahrnimmt. So wird die Leichtbautechnik bei jeder Fahrt zum unmittelbaren Erlebnis.“

Aber auch die A-Säule, die Carbonleiste im Cockpit, die Einfassungen der Fensterrahmen oder die Kofferraumverkleidung demonstrieren die Inszenierung der Technik durch das Design: „Sie ist nach außen hin transparent und damit authentisch“, führt Badstübner aus. Seien es die ausfahrbaren Türgriffe, die Matrix-LED-Technologie der Scheinwerfer oder die Art und Weise, wie sich das abnehmbare Dach beim Ver­stauen im Kofferraum in die hinteren Notsitze arretiert, um dann mit nach vorne gezogen zu werden.

Die Leichtbautechnik wird bei jeder Fahrt zum unmittelbaren Erlebnis. Sie ist nach außen hin transparent und damit authentisch.
Achim Badstübner

Zugleich ermöglichen die neuen Technologien des Concept Car effizienten Leichtbau. Badstübner blickt in das Innere des SUV mit seinen sportlichen Sitzen und der auf das Wesentliche reduzierten Schalttafel. Von der hinteren Sitzreihe aus ist die gestalterische Stringenz des Interieurs besonders gut wahrnehmbar. „Die Linien streben aus den Türschalen nach vorne auf den Singleframe zu“, erläutert der Designer und fügt mit einer schwungvollen Geste hinzu:„Das Interieur ist in Fahrtrichtung geöffnet. Innen- und Außendesign fließen ineinander über und ergeben ein harmonisches Ganzes.“

Korrespondenzen sieht Badstübner in der Gesamtgestaltung wie auch in Details: „Die Grundform des Kühlergrills findet sich zum Beispiel an den Luftdüsen des Innenraums wieder. Und das reduzierte Außendesign wird auch im Innenraum fortgeführt: Die gelben Akzente sind dezent eingesetzt, die Applikationen aus Aluminium unterstreichen das schlichte Gesamtbild.“

Ob innen oder außen: Der crosslane besticht durch sein Kraft und Leichtigkeit suggerierendes De­sign, das bedeutende technische Innovationen auf selbstverständliche Art und Weise integriert. Ein typi­scher Audi eben – gesehen jedoch durch die zukunftsge­schulten Augen eines Zeitreisenden.

Das Interieur ist in Fahrtrichtung geöffnet. Innen- und Außendesign fließen ineinander über und ergeben ein harmonisches Ganzes.
Achim Badstübner