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Easy Glider

Text 
Armin Götz

Fotos
Alex Herold

Essenz des Purismus

Die Ducati Scrambler ist mehr als ein Motorrad. Sie steht für ein ganzes Lebensgefühl und für entschleunigtes, entspanntes Dahingleiten ohne Leistungsdruck. Sie ist ein puristisches „Post Heritage“-Bike, das Wiedereinsteiger wie junge Trendsetter gleichermaßen begeistert.

Vier Grundvarianten des Bikes
stehen
 zur Wahl
Die Scrambler ist leicht
und wendig und lässt sich fast
spielerisch bedienen.

„Ducati war bislang eine rein sportliche Marke mit qualitativ hochwertigen Hightech-Bikes, die teilweise sehr anspruchsvoll zu fah­ren sind“, sagt Ducati-CEO Claudio Domenicali. Bis die Scrambler Anfang des Jahres auf den Markt kam und ein zweites Ducati-Image prägte. „Mit der Scrambler wollten wir bewusst einen Gegenpol dazu schaffen – ein Easy-to-use-Produkt, das einfach zu bedienen, angenehm zu fahren und technisch relativ simpel ist“, erklärt Domenicali. „Scrambler ist eine neue Marke von Ducati und das ‚Land of Joy‘ ihre Umgebung“, sagt der Italiener.

Die Entwickler verzichteten bewusst auf hohe Endgeschwindigkeit oder maximale Beschleunigung. Die Scrambler will das Freiheitsgefühl der 1970er-Jahre wieder lebendig machen. Mit nur 186 Kilogramm vollgetankt, einem tiefen Schwerpunk und einer niedrigen Sitzbank wirkt sie leicht und handlich.

„Das Bike verkörpert den Spirit dieser Ära, das entspannte Fahren, das Zusam­menkommen gleichgesinnter Biker, die einfach eine gute Zeit haben wollen. Wir wollten dieses Woodstock-Feeling in die Neuzeit übertragen“, sagt der studierte Ma­schinen­bauer, der seit 24 Jahren für die Marke arbeitet.

Anders als die bisherigen, sehr performanceorientierten Ducati-Modelle soll die Scrambler-Reihe ein mehr designorientiertes und modebewusstes Publikum ansprechen. „Seit einigen Jahren gibt es einen starken Trend in den Metropolen Europas bei der Inneneinrichtung. Immer mehr Berliner oder Mailänder mischen für ihr Zuhause gerne Möbel aus vergangenen Epochen mit modernen Stücken. Genau diesen Trend greifen wir mit unserer neuen Marke auf“, sagt Domenicali.

Modernes „Post Heritage“-Bike
Mit dem historischen Einzylinder von 1968 verbinden die moderne Scrambler der Name und einige Designelemente. Technisch dagegen ist sie auf der Höhe der Zeit.


Passionierter Biker: Ducati-CEO Claudio Domenicali arbeitet seit 24 Jahren für die Traditionsfirma.

Zu diesen Genen passend, ist die Grundfarbe der Scrambler-Baureihe ein entspanntes Gelb. Traditionell kommen die Bikes aus Bologna dagegen in auffälligem und aggressiverem Rot daher – eine klare Abgrenzung schon bei der Farbe.

Auch beim Antrieb blieben die Entwickler des neuen Motorrads puristisch:
Der luftgekühlte 803-cm³-Desmo-Twin, bekannt aus der Monster 796, wurde für die Scrambler aber noch einmal verfeinert. Denn brachiale, ruppige Kraftentfaltung passt nicht zum relaxten Fahrstil. Der Optimierung fiel eine Drosselklappe zum Opfer, was zwar ein paar PS kostet, dafür aber zu einer wunderbar sanften Leistungsentfaltung führt. Der Zweiventiler nimmt schon bei niedrigen Drehzahlen willig Gas an und zieht dann unaufgeregt und mit Ducati-typischem, aber nicht zu aufdringlichem Auspuffsound durch das Drehzahlband. In der Spitze sind es 75 PS, völlig ausreichend auch für viel Spaß auf kurvigen Landstraßen.

Ducati war bislang eine rein sportliche
Marke mit qualitativ hoch­wertigen Hightech-Bikes,
die teilweise sehr anspruchsvoll zu fahren sind.

Claudio Domenicali
Ducati-CEO

Dauergrinsen inklusive
Hohe Endgeschwindigkeit und maximale Beschleunigung sind nicht die Tugenden der Scrambler. Mit ihr gelingt relaxtes Touren dank des angenehm hohen Lenkers und geringen Gewichts.

Das Motorrad hat zwar ein historisches Vorbild – die damals sehr erfolgreiche, einzylindrige Scrambler wurde von 1968 bis Mitte der Siebzigerjahre gebaut –, dennoch ist die moderne Variante kein Retrobike. „Wir haben Stilelemente des alten Motorrads übernommen, das Ganze aber mit modernen Elementen wie einem LED-Tagfahrlicht, einem Stummelauspuff oder einer zeitgemäßen Leichtmetallschwinge gemischt“, erklärt Domenicali die Philosophie. Elektronische Gimmicks sucht man bei diesem Motorrad bis auf das unverzichtbare Bosch-ABS vergeblich.

Zum Konzept gehört auch eine Vielzahl von Individualisierungsmöglichkeiten. Die Scrambler gibt es in vier verschiedenen Modellvarianten: Icon, Classic, Full Throttle und Urban Enduro. Diese können mit einem umfangreichen Customizing-Programm auf den persönlichen Geschmack getrimmt werden. „Jeder Kunde kann sich sozusagen seine eigene Maschine scrambeln“, erklärt Domenicali. Es ist eine Art Baukastensystem. Der Kunde stellt sich die Teile zusammen, die ihm gefallen, und kreiert daraus ein für ihn maß­ge­schneidertes Bike. Beispiele sind eine Vielzahl unterschiedlicher Tankblenden, etwa aus Alu, Karbon oder in ganz abgefahrener Optik, verschiedene Kotflügel und Lenker oder der Termignoni-Auspuff, den es auch in einer endurolike hochgelegten Variante gibt. Dazu kommt ein komplettes Bekleidungsprogramm, das auf die Scrambler-Reihe abgestimmt ist – vom Jethelm und passenden Brillen über Lederjacken, T-Shirts und Jeanshosen bis hin zu den kultigen Blundstone Boots, für die man eigens mit der australischen Edelmarke einen Vertrag abgeschlossen hat.


Ein Bike für Ladies und Gentlemen:
Auch Frauen lieben die Scrambler – da sie hübsch anzusehen und leicht zu fahren ist. Die passenden Accessoires von Handschuhen, Helmen und Stiefeln bis hin zu modischen Blundstone Boots gibt es im Scrambler-Shop.

Preislich ist die die Scrambler im Moment die günstigste Ducati. In Deutschland ist die Icon mit Leichtmetallgussrädern und Kunststoffkotflügeln in der Basis für 8.390 Euro zu haben. Für 1.400 Euro mehr gibt es die Classic mit Speichenrädern, Metall­kot­flügeln und gesteppter Vintage-Sitzbank. Zum gleichen Preis werden die Full Throttle mit Guss­rädern und Termignoni-Sportauspuff sowie die Urban Enduro mit hochgelegtem Front­kotflügel, Offroad-Lenkerstrebe und Lampengitter angeboten.

Wir haben die Produktion hochgefahren 
und liegen nun deutlich über Plan.

Claudio Domenicali
Ducati-CEO

Gebaut wird das Bike für die europäischen Märkte im Stammwerk in Bologna, für Asien und Amerika dagegen in der im November 2014 eröffneten Fabrik im thailändischen Rayon. Bei den Händlern steht das Motorrad seit Januar in Europa, seit Februar in den USA und seit wenigen Wochen auch in Asien. Der Plan war ursprünglich, rund 10.000 Scrambler pro Jahr zu bauen, der Erfolg hat die Ducatisti in Bologna aber schnell umdisponieren lassen. „Wir haben die Produktion hochgefahren und liegen nun deutlich über Plan“, freut sich der Ducati-CEO.

Und die Reise ist noch lange nicht zu Ende: Ducati will die Scrambler-Marke zu einer ganzen Modellreihe ausbauen, weitere Motor­vari­anten inklusive. Genaueres verrät Domenicali aber noch nicht. Man darf also gespannt sein, welche Scrambler die italienische Motorradschmiede in den kommenden Jahren noch auf die Straße zaubert.


Fahrspaß on und off the road: Selbst Drifts auf losem Untergrund sind mit der Scrambler kein Problem.
Sie bleibt jederzeit gut beherrschbar.

Technische Daten:
Ducati Scrambler Icon

Motortyp Luftgekühlter Zweizylinder in L-Form, 2 Ventile pro Zylinder,
desmodromisch gesteuert
Hubraum 803 cm3
Bohrung/Hub 88 × 66 mm
Verdichtung 11,0:1
Leistung 55 kW (75 PS) bei 8.250 1/min
Drehmoment 68 Nm bei 5.750 1/min
Benzineinspritzung Elektronisch geregelte Kraftstoffeinspritzung, 50-mm-Drosselklappen
Auspuff Auspuffanlage aus Edelstahl, Abdeckungen des Endschalldämpfers aus Aluminium,
Katalysator und 2 Lambdasonden
Standard Euro 3
Preis ab 8.390 Euro (Preis in Deutschland)

Weitere Infos:
http://scramblerducati.com/de