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Mission to the Moon

Text
Johannes Köbler

Fotos
AUDI AG

Audi lunar quattro

Der Wettbewerb: der Google Lunar XPRIZE. Das Ziel: der Mond.
Das Zeitfenster: bis 31. Dezember 2017. Das Fahrzeug: der Audi lunar quattro.
Audi bricht ins Weltall auf.

Der Wettbewerb, der Kampf um die Spitze, gehört fest zur DNA der Marke Audi. Ob auf der Rennstrecke oder beim Vor­sprung durch Technik für die Serienmodelle, stets hat das Unternehmen den Anspruch, ganz vorne dabei zu sein. Jetzt bricht Audi zu einer neuen Heraus­for­derung auf – ins Weltall, als Unterstützer des Teams Part-Time Scientists. Die Ingenieurgruppe aus Berlin arbeitet im Wettbewerb Google Lunar XPRIZE daran, ein unbemanntes Expeditionsfahrzeug auf den Erdtra­banten zu bringen – den Audi lunar quattro. 

Der Google Lunar XPRIZE, mit zirka 30 Mil­lionen US-Dollar dotiert, ist ein Raumfahrt-Wettbe­werb, der sich an Ingenieure und Unternehmer weltweit wendet. Um zu gewinnen, muss ein Team, das sich zu 90 Prozent aus privaten Quellen finanzieren soll, ein automatisiertes Fahrzeug auf den Mond bringen. Dort muss dieser Rover mindestens einen halben Kilometer Dis­tanz zurücklegen und hochaufgelöste Bilder und Videos zur Erde übermitteln.

Spätestens Ende 2017 muss die Landefähre an Bord einer Trägerrakete ins All starten und die mehr als 380.000 Kilometer bis zum Mond zurücklegen. Die Reise wird fünf Tage dauern und – in der Kalkulation der Part-Time Scientists – etwa 24 Millionen Euro kosten. Das Zielgebiet liegt nördlich des Mondäquators nahe der Landestelle der letzten bemannten NASA-Mond­mission Apollo 17 aus dem Jahr 1972. In dieser Region herrschen Temperaturschwankungen bis zu 300 Grad Celsius; wenn hier die Sonne scheint, wird es wegen der fehlenden Atmosphäre bis zu 120 Grad heiß.

Gestartet war der Google Lunar XPRIZE mit 34 Teams, derzeit sind noch 16 Grup­pen da­bei. Die Part-Time Scien­tists mit Sitz Berlin, bei denen sich Audi engagiert, sind die einzigen deutschen Teil­nehmer. Im bisherigen Ver­lauf des Wettbewerbs wurde ihr Rover-Prototyp bereits mit zwei sogenannten Mile­stone Prizes ausgezeichnet. Mit diesen Preisen, die zu­sam­men mit 750.000 Dollar dotiert waren, honorierte die Jury die Entwicklung des Rovers und seiner optischen Systeme. Die Berliner Forscher haben ihr Mondfahrzeug immer weiter verfeinert; umfangreiche Tests fanden unter anderem in den österreichischen Alpen und auf Teneriffa statt.

Viele Menschen stecken heute in Optimierungsschleifen fest,
es fehlt an Visionären. Dabei ist es gut, etwas zu haben,
das größer ist als man selbst und an dem man wachsen kann.

Robert Böhme
Gründer Part-Time Scientists

Der Rover ist in weiten Bereichen aus hochfestem Aluminium aufgebaut, er wiegt 35 Kilogramm. Bei der Weiterentwicklung zum Audi lunar quattro soll dieses Gewicht durch den Einsatz von Magnesium und durch Änderungen in der Konstruktion weiter sinken, obwohl das Fahrzeug etwas größer werden dürfte. Ein schwenkbares Solarpanel fängt das Sonnenlicht auf; der Strom gelangt in eine Lithium-Ionen-Batterie, die vier Radnabenmotoren speist. Alle vier Räder lassen sich jeweils um 360 Grad drehen. Die Höchst­ge­schwin­digkeit beträgt 3,6 km/h – viel wichtiger auf der Mond-Oberfläche sind jedoch robuste Offroad-Qua­litäten und die Fähigkeit zur sicheren Orientierung. Ein beweglicher Kopf an der Fahrzeugfront trägt zwei Stereokameras, die detaillierte 3D-Bilder aufzeichnen. Eine dritte Kamera dient zur Untersuchung von Mate­rialien und generiert extrem hochaufgelöste Pano­ramen.


Topspeed 3,6 km/h: Der Audi lunar quattro, der Rover für den Mond.

Die Arbeitsgruppe, mit der Audi die Part-Time Scientists unterstützt, besteht derzeit aus zehn Mitarbeitern aus unterschiedlichen Fachabteilungen, an der Spitze Michael Schöffmann, der Leiter der Getrie­beentwicklung. Neben der Leichtbau-Kompetenz bringen sie viel weiteres Know-how ein. Das gilt vor allem für den permanenten Allradantrieb quattro und den elektrischen e-tron-Antrieb – hier lautet das Ziel, die Perfor­mance durch weitere Verbesserungen an E-Ma­schinen, Leistungselektronik und Batterie weiter zu steigern.

Das Design des Audi lunar quattro muss die Technologie
und die Bestandteile des Fahrzeugs zeigen,
zugleich aber auch die Identität unserer Marke vermitteln.

Jorge Diez
Leiter Automotive im Audi Konzept Design München

Auch beim Testen, Erproben und Absichern der Qualität gewährt die Marke mit den Vier Ringen breit gelagerte Unterstützung. Spezialisten aus der Qua­litätssicherung werden die Teile des künftigen Audi lunar quattro mit ihren Hightech-Tools und -Verfahren auf Verschleiß untersuchen. Die Motoren und Elek­tro­nikbausteine müssen Stresstests in Klimakammern überstehen. Parallel dazu überarbeitet das Audi Kon­zept Design München die Form des Rovers.

Das Team Part-Time Scientists entstand Ende 2008 auf Initiative von Robert Böhme, der als IT-Berater in Berlin arbeitet. Die Mehrzahl der momentan über 70 Teammitglieder – der harte Kern liegt bei 20 bis 35 – kommt aus Deutschland und Österreich. Ex­perten aus drei Kontinenten, darunter der ehemals leitende NASA-Mitarbeiter Jack Crenshaw aus Florida, verstärken die Gruppe. Zu ihren Unter­stützern zählen neben Audi mehrere Forschungs­ein­richtungen und Hightech-Unternehmen, so etwa NVIDIA, die Tech­ni­sche Universität Berlin, das Austrian Space Forum (OeWF) und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).


Batterie unter Sonnensegel: Das Fahrzeug versorgt sich selbst mit Energie.